Aktualisiert Juni 2026
Regulierung

Vom Monopol zum Multi-Lizenz-Modell: Was sich bis 2029 ändern könnte

Maximilian HuberRecht und Spielerschutz, Österreich
Kürzlich aktualisiert
4 Min. Lesezeit
Vom Monopol zum Multi-Lizenz-Modell: Was sich bis 2029 ändern könnte
Vom Monopol zum Multi-Lizenz-Modell: Was sich bis 2029 ändern könnte
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<p>Österreich gehört zu den letzten Ländern der EU, die das Online-Glücksspiel über ein staatliches Monopol regeln. Aktuell darf nur win2day, die Online-Plattform der Österreichischen Lotterien, legal ein Online Casino in Österreich betreiben. Doch die Diskussion über eine Öffnung des Marktes ist im Gange. Im Regierungsprogramm für die Jahre bis 2029 ist von einer neuen, unabhängigen Aufsichtsbehörde und der Prüfung eines Mehr-Lizenz-Modells die Rede. In Kraft ist davon noch nichts. Wir ordnen ein, was bis 2029 realistisch auf Spieler und Anbieter zukommen könnte und was bislang nur Absichtserklärung ist.</p>

Das aktuelle Modell: ein Anbieter, klare Grenzen

Nach dem Glücksspielgesetz (GSpG) liegt das Online-Casino-Glücksspiel in Österreich beim Bund. Vergeben ist die Konzession an die Österreichischen Lotterien, deren Plattform win2day ist damit das einzige Online Casino, das nach österreichischem Recht legal angeboten werden darf. Zuständig für die Aufsicht ist derzeit das Bundesministerium für Finanzen (BMF).

Alle anderen Anbieter, die sich an österreichische Spieler richten, arbeiten in der Regel mit einer Lizenz aus Malta (MGA) oder Curaçao. Sie sind im Inland nicht konzessioniert und damit im rechtlichen Graumarkt aktiv. Diese Anbieter operieren faktisch, sie sind nach österreichischem Recht aber nicht legal. Werbung für solche Angebote ist in Österreich untersagt, und im Zentrum vieler Gerichtsverfahren steht die Frage, ob Spieler ihre Verluste zurückfordern können.

Warum überhaupt eine Reform?

Der Druck auf das Monopol kommt aus mehreren Richtungen. Erstens betreiben zahlreiche EU- und Curaçao-lizenzierte Anbieter den Markt ohnehin, das Monopol bildet die Realität also nur unvollständig ab. Zweitens stellt sich aus europarechtlicher Sicht immer wieder die Frage, ob ein nationales Monopol mit der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit vereinbar ist, sofern es nicht konsequent dem Spielerschutz dient.

Drittens läuft die bestehende Konzession nach derzeitigem Stand mit 30. September 2027 aus. Dieses Datum gilt vielen Beobachtern als natürlicher Zeitpunkt, an dem über die Zukunft des Modells entschieden werden muss: Verlängerung des Monopols oder Übergang zu einem System mit mehreren Lizenzen.

Parallel dazu hat der Bund die Online-Glücksspielsteuer erhöht. Seit Juli 2025 liegt sie bei 45 Prozent statt zuvor 40 Prozent. Das zeigt, dass der Gesetzgeber das Thema aktiv bearbeitet, auch wenn die große Strukturreform noch aussteht.

Was im Regierungsprogramm steht

Das Regierungsprogramm für die Legislaturperiode sieht mehrere Bausteine vor. Geplant ist eine neue, unabhängige Glücksspielbehörde, die die Aufsicht bündeln und vom BMF lösen soll. Ein endgültiger Name für diese Behörde steht noch nicht fest, weshalb wir hier bewusst allgemein bleiben.

Zweitens wird ein Mehr-Lizenz-Modell nach EU-Vorbild geprüft. Statt eines einzigen Konzessionärs könnten dann mehrere Anbieter eine österreichische Lizenz erhalten, sofern sie strenge Auflagen erfüllen. Diskutiert wird ein Zeithorizont von etwa 2027 bis 2029.

Drittens sollen die Spielerschutzregeln verschärft werden. Im Gespräch war unter anderem eine Einsatzgrenze in der Größenordnung von rund zwei Euro pro Spielrunde. Ob diese Grenze so kommt oder im Gesetzgebungsprozess abgeschwächt wird, ist offen. Solche Detailregeln verändern sich im Lauf von Begutachtung und Verhandlung erfahrungsgemäß noch.

Die Rolle der Gerichte und der EU

Für die Praxis mindestens ebenso wichtig wie die Reformpläne sind die laufenden Gerichtsverfahren. Österreichische Gerichte, bis hinauf zum Obersten Gerichtshof (OGH), haben Verträge mit nicht konzessionierten Anbietern wiederholt als nichtig behandelt. Spieler können dadurch unter dem Gesichtspunkt der ungerechtfertigten Bereicherung ihre Nettoverluste zurückfordern.

Komplizierter wird es im Verhältnis zu Malta. Mit dem sogenannten Bill 55 hat Malta 2023 eine Regelung geschaffen, die es maltesischen Gerichten erlaubt, die Vollstreckung bestimmter ausländischer Urteile gegen dort lizenzierte Anbieter zu verweigern. Die Europäische Kommission hat dazu im Juni 2025 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Malta eingeleitet. Es gibt zudem Berichte über eine Vorlage an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu dieser Frage. Den genauen Stand dieser Vorlage sollten Spieler vor weitreichenden Entscheidungen mit einer aktuellen Rechtsauskunft abklären, da sich die Lage hier rasch ändern kann.

Für die Reformdebatte sind diese Verfahren bedeutsam: Sie erhöhen den Druck, ein klares, EU-konformes Lizenzsystem zu schaffen, das Rechtssicherheit für Spieler und Anbieter bringt.

Was das für Spieler heute bedeutet

Wichtig ist die Trennung zwischen Plan und geltendem Recht. Eine Reform ist im Gange, in Kraft ist sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Bis ein Mehr-Lizenz-Modell tatsächlich beschlossen und umgesetzt ist, bleibt win2day das einzige in Österreich legale Online Casino. Alle anderen Anbieter sind weiterhin im Graumarkt aktiv, mit allen Konsequenzen beim Spielerschutz und bei der Durchsetzung von Ansprüchen.

Wer spielt, sollte auf die bekannten Schutzmechanismen achten: Einzahlungslimits setzen, die Möglichkeit der Selbstsperre kennen und bei Problemen früh Hilfe suchen. In Österreich sind dafür unter anderem die Spielsuchthilfe und die Hotline der MedUni Wien Anlaufstellen.

Wir beobachten die Gesetzgebung weiter und aktualisieren diese Einschätzung, sobald aus den Plänen konkrete Entwürfe oder Gesetze werden. Stand dieser Analyse ist Juni 2026.